ciao²/aoap
Von Johanna Ackva und Judith Milz
Performance
18.9.2026, 20 Uhr
Eintritt frei. Keine Anmeldung erforderlich.
Die Performance dauert ca. 2 Stunden
Workshop
19.9.2026, 14-18 Uhr
Der Workshop ist auf 12 Plätze begrenzt, Anmeldung ist unter diesem [LINK] erforderlich.
Teilnahme auf Spendenbasis: 15–25 €
Bezahlung vor Ort in bar.
Der Workshop findet auf Deutsch und Englisch statt. Vorerfahrung ist nicht erforderlich.
Das Leben ist eine endlose Reihe von Abschieden, eine Dauertrauer, eine Übung im Ciaosagen, die wir nie je ganz beherrschen. Kaum ist eine*r gegangen, da geht auch schon das nächste. Verabschieden auf Raten. Ein letzter Tanz. Der letzte Eisbär. Der letzte Regen. Eine ganze Art stirbt aus. Die Kneipe ist leer. Man bleibt alleine zurück am Tresen. Man wird nicht die wirklich wichtigen Sachen gesagt haben. Verdammt.
ciao²/aoap (sprich: ciao ciao, so oft wie möglich) ist eine Abschiedsübung in zwei Teilen. Ganz nach Herbert Marcuses Grabinschrift, weitermachen!, beschäftigt sich ciao²/aoap mit dem Abschied nehmen als einem (über)lebenslänglichen Ritual und als essentieller Kulturtechnik.
Im ersten performativen Teil (Freitagabend) spielen die Künstlerinnen Johanna Ackva und Judith Milz verschiedene Formen des Endens und Nicht-enden-könnens, gelungener und vertaner Trennungen, abgeschlossener und bevorstehender Trauer durch. Von der Hingabe in das Beweinen persönlicher Verluste bis hin zum Umgang mit den unumkehrbaren globalen Veränderungen (das Klima! die Hitze!) verbinden sie in Texten, Szenen und Songs unterschiedliche Dimensionen von Abschied und fragen danach, wer/was betrauert werden kann, an welchen Orten man am besten ciao sagt und warum es immer mal wieder gut tut darüber nachzudenken, wovon man sich gerade verabschieden könnte.
Im zweiten Teil der Übung (Samstagnachmittag) können sich Interessierte im Rahmen eines Workshops mit den Künstlerinnen in ihrer eigenen Abschiedsfähigkeit üben. Mithilfe unterschiedlicher Schreibscores und Performancetools entwerfen wir Reden, bewegen unsere Körper im Raum, reinterpretieren alte und erfinden neue Gesten des Abschied nehmens. Eine Vorsorgemaßnahme, eine Expositionstherapie, ein Raum, in dem wir gemeinsam der Spinne Rollschuhe anziehen und der Vanitas einen Buchstabendreher andichten, um gemeinsam über das vielleicht Schreckliche zu lachen: Es geht alles vorbei.
Der Titel ciao²/aoap bezieht sich auf John Cages ORGAN²/ASLSP (as slow as possible), ein Stück für Orgel, das seit dem Jahr 2001 als langsamstes und längstdauerndes Stück, über 639 Jahre hinweg aufgeführt wird. Ein bittersüßer Trost für alle, die nach dem Wochenende traurig sein werden, dass es schon vorbei ist: etwas geht weiter, wird weitergehen, auch wenn wir gegangen sein werden.

Künstlerinnen:

Foto Credits: Janis Schröder
Johanna Ackva (*1989, Berlin) arbeitet als Künstlerin interdisziplinär mit Schwerpunkt auf Performance und dem Körper als Material und Medium. Neben bewegungsbasierten Praxen machen Gespräche – mit Expert*innen, Fremden und Freund*innen – einen wesentlichen Teil ihrer Arbeit aus, die sich in live bespielten Räumen, sowie situativ auch in Texten, Objekten oder Installationen manifestiert. Seit 2014 haben Johannas häufig kollaborativ bestrittenen Projekte Themen wie Arbeit und deren Wert, Mystik und Naturerfahrungen, Konstruktionen von Gender sowie Tod, Trauer und unsere Beziehung zu den Toten berührt. U.a. mit Anna Zett und Marie DuPasquier hat Johanna diverse interdisziplinäre Reihen und Veranstaltungen kuratiert und gehostet. Seit 2019 wirkt sie an der Gestaltung und Kuration des Denk- und Produktionsort Libken (Uckermark) mit. Neben ihrer künstlerischen Praxis und der Praxis als Performerin u.a. für Isabelle Schad oder Netta Weiser ist Johanna immer wieder Gastdozentin im Studium Generale der UdK Berlin.

Foto Credits: Frank Kleinbach
Judith Milz (*10.11.1989) lebt und arbeitet in Karlsruhe und Berlin. In ihrer Arbeit erforscht und entwickelt sie Möglichkeiten des Erzählens: skulptural, performativ, fotografisch, publizistisch. In den letzten Jahren hat sich Judith vermehrt mit privaten und öffentlichen Archiven beschäftigt – die Grenzen zwischen Nachforschender, Zeugin, Medium und Performerin sind dabei fließend. Ihre Arbeiten beschäftigen sich oft mit dem Politischen im Alltäglichen und Konzepten von Fiktionalität, in denen Humor als Form des Widerstands erscheint. Derzeit arbeitet Judith an der Publikation und Radiosendereihe „dog politics“, die sich mit der politischen Vereinnahmung des Deutschen Schäferhundes befasst. Ihre performativen und räumlichen Arbeiten wurden u.a. in der Kunststiftung Baden-Württemberg, der Kunsthalle Mannheim, dem Badischen Kunstverein, dem Goethe-Institut Sofia und Barın Han Istanbul gezeigt.
Gemeinsam haben Johanna Ackva und Judith Milz das Programm “into the fields” entwickelt und begleitet, das Künstlerinnen aus ländlichen Regionen Polens, Deutschlands und der Tschechischen Republik zu einer kollaborativen 2-monatigen Residenz nach Libken, in die Uckermark einlud. Sie teilen außerdem einen Ess- und Arbeitstisch, an dem sie zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten Ideen und Gedanken ping-pongen und über die nächste eigene oder gemeinsame Arbeit überlegen. Im Jahr 2025 haben sie gemeinsam mit Cécile Kobel die vierteilige Performancereihe ~ 4E8A∞~ für das Stuttgarter Festival Current | Kunst und Urbaner Raum entwickelt, die sich ortsspezifisch mit dem Atem, und seiner Endlich- und Fehlbarkeit auseinandersetzte (in der Stuttgarter Abfallwirtschaft, einer Raucherkneipe, einer ehemaligen Tuberkulosesiedlung und einer Versöhnungskirche). Für Hannover arbeiten sich die beiden in dessen Folge an einem gemeinsamen Lebensthema weiter ab: Dem Abschied nehmen.

Gefördert durch das Kultürburo Hannover.
FALTE
Raum für interdisziplinäre künstlerische Begegnung. Ein von Künstler*innen geführter Projektraum und Gemeinschaftsatelier.
FALTE wird gefördert aus Mitteln der Atelier- und Projektraumförderung des Kulturbüros Hannover.